Wer kennt nicht den Film James Bond "Octupussy", in dem ein kleiner Jet aus einem Pferdeanhänger geschoben wird, James Bond (Roger Moore) anschließend mit dem Teil durch einen Hangar im Messerflug fliegt und nach der Landung gemütlich zur Tankstelle rollt? So wurde von Andy Schleicher die Idee geboren diesen Jet als Modell nachzubauen. Beim Original haben die Filmleute jedoch gehörig geschummelt: Es war eine BD5 mit Propellerantrieb. Diese BD5 ist in den USA ein sogenannter Homebuilt, dies bedeutet, das man sich das Teil als Bausatz kaufen kann und dann fliegen darf. Es gibt auch die weniger geflogene Jet-Version. Auf meiner Suche im Internet bin ich auf Bob Bishop gestoßen, der die Maschine als Jet in einer wunderschönen Lackierung fliegt. Von ihm erhielten wir exakte Werte und Maße und von der Herstellerfirma eine 3-Seitenansicht sowie technische Zeichnungen. Innerhalb kürzester Zeit entstand ein exaktes, imposantes Modell im Maßstab 1:2!!!
Bei Petrausch gab es dann die passende Pilotenpuppe. Zunächst wurde die ca. 18kg schwere Maschine problemlos mit einer JetCatP80 geflogen! Es sollte jedoch der Start von Gras erfolgen können, so daß wir dann auf eine P120 umgerüstet haben. Dies führte dazu, daß die Maschine zu einem wahren "Ackergaul" wurde! Von ungepflegten Graspisten benötigten wir etwa 65 Meter zum Start. Im Flug verhält sich die BD5 wie ein schnelles F3Ax- Modell mit dem alle Figuren problemlos geflogen werden konnten. Nach der Jet-WM 99 in Österreich, wo ich mit der Maschine den 5. Platz in der Team-Bewertung belegte, wurden noch sehr viele umfangreiche Testflüge gemacht. Hierbei zeigte sich, dass zum Landen sich eine Butterfly-Stellung der Landeklappen und Querruder als hervorragende Landehilfen bewährte. Leider ging meine erste BD5J aufgrund eines Senderausfalls beim Jet-Meeting in Helchteren/Belgien (April 2000) verloren. Mit der zweiten Maschine hatten wir ebenfalls Pech: Beim Erstflug versagte das 16kp-Höhenruder-Servo von Futaba seinen Dienst. Die Maschine wurde total zerstört. Nummer 3 in Bau und wir wurde Ende September 2000 eingeflogen. Leider ging auch dieses Modell durch ein unerklärlichen Anlagenausfall (statische Aufladung? es herrschte Gewitterlage) nach mehr als 40 Flügen bei der Fiberclassics Airshow in Ballenstedt 2001 verloren. Pepsi-BD5 Am 6.7.2005 war es wieder so weit: Ich konnte meine neue BD5 einfliegen. Bei starkem Seitenwind und starkem Regen im Landeanflug tat die BD5, was sie sollte: Sie flog!!! Und das ohne einen Klick zu trimmen!! Sie ist wahnsinnig schnell (so schnell wie ein Hotspot) und läßt sich aber dank der senkrecht nach unten ausfahrenden Landeklappen auch extrem langsam fliegen.
UPDATE: Mittlerweile ist die BD5J mit den neuen JetCat P180RX und Smoker ausgestattet.
Die BD5J-Story Zeitsprung: Wir schreiben das Jahr 1997! Rückfahrt von Whroughton, meiner definitiv ersten und letzten Jet-WM! Niedergeschlagen, ob der Organisation, des Ablaufs, der Technik schwöre ich mir: Nie wieder dieser Aufwand, weder zeitlich, noch monetär und überhaupt.... Szenenwechsel: Im Fernsehen läuft die x-te Wiederholung des James-Bond-Klassikers: „ Octupussy“: Bei einer Szene wird Andy Schleicher hellwach: Ein kleiner weißer Jet wir aus einem Pferdeanhänger geschoben, eine Turbine startet. Anschließend fliegt dieser Formel1- Jet durch einen Hangar. Die Türen schließen sich langsam, die kleine Maschine fliegt im Messerflug durch den schmalen Spalt. Anschließend landet sie auf einer Landstraße und rollt bei einer Tankstelle aus: „Volltanken bitte!“. – Das ist es! – Vergessen ist Wrougthon, vergessen ist die erlittene Pein. Bloß: Was ist das für ein Flugzeug? Den Besuchern des Jet- Meetings in Punitz ist schon lange klar, dass es sich hierbei um eine BD5 handelt. Nur gibt es den auch als Jet? (Denn dort wurde schon öfter die Maschine von Herrn Malliga vorgeführt, in der Propellerversion. Herzliche Grüße nach Zeltweg, Herr Malliga und Danke für das gemeinsame Foto-Meeting). Als nächstes wurde deutlich, warum die Jet-Team-Klasse so viele Vorteile hat: Andy Schleicher beauftragte mich, im Internet Informationen über diese Maschine zu sammeln. Der Zufall wollte es, das noch in der gleichen Woche eine James-Bond-Ausstellung in Stuttgart war, in der auch die Original-BD5 ausgestellt werden solle. Leider war dies ein Rückschlag, da diese BD5 eine Propellerversion war. Wir suchten die Jet-Version!! Also im Internet den Suchbegriff „BD5“ eingegeben und siehe da: 1000 Treffer. Hier war viel Geduld gefordert. Anschließend wusste man schon, dass es sich bei der BD5 um eine Bausatzmaschine, einen sogenannten „Experimental“ handelt. Dann wurde auch der Hersteller gefunden: The BD5-People mit dem Präsidenten Skeeter James hatten einen Bausatz auch für eine Turbinenversion auf dem Markt. Nach einigen e-mails schickte mir Skeeter zwei Konstruktions- und Ersatzteilhandbücher der BD5. Außerdem gab es auf der Seite von Skeeter einen Link zu Bob Bishop, der „den kleinsten Jet der Welt“ fliegt! Die „Freedom“-BD5J!! Das war sie!! Wir hatten unser Vorbild für die nächste WM-Maschine gefunden. Bob Bishop ist ein professioneller Show-Flug-Pilot, der mit seiner Team-Partnerin von Flug-Show zu Flug-Show zieht. Auch Bop wurde per e-mail kontaktiert. Währenddessen war Andy Schleicher bereits dabei Zeichnungen aus dem Konstruktionsheft der Originalmaschine zu Vergrößern: Es sollte der Monstermaßstab 1:2 werden! Da reichte eine Tapetenrolle nicht mehr aus! Aber was war das? Die Flächen, Kabinenhaube und Fahrwerk stimmten nicht mit der Maschine von Bob Bishop überein! Schnellstens wurde Kontakt mit Skeeter aufgenommen, der bestätigte, dass jede BD5 von ihrem Besitzer anders gebaut wird, er liefert praktisch nur das Gerüst. Daneben gibt es x verschiedene Aus- und Umbauvarianten. Er war aber gerne bereit uns eine 3-Seiten-Ansicht der Maschine zu liefern. Von so einem Service kann man nur träumen!!! Der ganze Kontakt und Austausch der Zeichnung erfolgte per e-mail. Das Urmodell für den Rumpf war fertig! Wir schreiben März ´99 und der Riesenklotz steht im Wohnzimmer von Andy Schleicher. Welche Turbine soll dieses Osterei zum Fliegen bringen? Nach vorsichtigen Rechnungen sollte ein Abfluggewicht von 16Kg bei einer Spannweite von 2,60m erzielt werden. Unsere Wahl fiel auf die Jet-Cat. Die erste von zwei bestellten Turbinen wurde intensiv auf einem Kangaroo getestet und anschließend in einer T33. Diese Turbine ist der Traum eines Jet-Piloten schlechthin: Absolut problemlose Handhabung und zuverlässiger Betrieb! Nach Rücksprache mit Markus Zipperer (CATIng) waren wir frohen Mutes: Die JetCat ist die Wahl für die BD5J! Das nächste Problem (eines von vielen) sollte das Fahrwerk werden: Dieses Fahrwerk wird vom Piloten der Originalmaschine über einen Hebel nach innen in den Rumpf (nicht in die Tragflächen) eingezogen werden. Hier war die offene Teamklasse wieder eine Hilfe: Andy Meier konstruierte uns ein absolut originalgetreues Einziehfahrwerk. Dies hatte den Haken, dass pro Fahrwerk ein 180°-Grad-Servo (eines der stärkeren) benötigt wird. Hier wurden die MULTIPLEX-Power-Servos eingesetzt. Mit dem Servo-Programmiergerät konnten dann die Wege exakt so eingestellt werden, dass jedes Servo unabhängig voneinander über einen Geber geschaltet die erforderlichen Wege fährt. Ein weiteres Problem war das Höhenleitwerk. Es handelt sich hierbei um gedämpftes Pendelleitwerk. Sie haben richtig gelesen: Dieser Jet wird mit einem Pendelruder gesteuert, das zustätzlich noch eine Dämpfungfläche hat. Hier hatte ich dann Kontakt mit Bop Bishop aufgenommen, der mir die Ausschläge exakt in Grad übermittelt hat. Außerdem war die Schwerpunktangabe von ihm auch auf unser Modell übertragbar! Nur: Wie wird dieses gedämpte Teil im Pendelruder angelenkt? Die erste Idee war, ein zusätzliches Servo in das Pendelruder einzubauen, das die Dämfpungsfläche anlenkt (gleichsinnig). Dies wurde aber aufgrund der angestellten Gewichtsbeschränkungen und angesichts der freien Kanäle im Empfänger verworfen. Die Lösung war das Konstruktionshandbuch der Original-Maschine! Dort war eine exakte Zeichnung zu finden, wie über einen Umlenkhebel die Dämpfungsfläche gleichsinnig zum Pendelruder ausschlägt. Die funktioniert auch im Modell einwandfrei. Das Pendelruder (Spannweite 1 Meter) besteht aus zwei Teilen, die über eine Verbindung und eine Verschraubung im Steckungsrohr zusammengehalten werden. Angetrieben wird das Pendelruder von einem MULTIPLEX-Jumbo-MC-Servo mit 20kg Kraft (bei 5 Zellen) – dies ist absolut ausreichend! Nächstes Problem: Die Schubachse der Turbine. Von vergangenen Jet-Modellen und vor allem vom Kangaroo wussten wir, dass die Schubachse einen enormen Einfluß auf das Flugverhalten hat. Sie kann dazu beitragen, dass das Modell bei Lastwechseln plötzlich wegtaucht oder wegsteigt. In der Original-Maschine verläuft die Achse auch nicht parallel sonder ist leicht angestellt. Genau diese Anstellung wurde auch in das Modell übernommen. Der Effekt ist phantastisch: Nämlich gar keiner, genau so sollten es sein!! Haben Sie schon einmal versucht einen Jet-Piloten im Maßstab 1:2 zu bekommen? Nach langem Suchen wurden wir auf der Inter-Modellbau in Dortmund fündig: Ralf Petrausch bietet solche Pilotenpuppen als Einzelfertigung an. Ihm wurde ein Bild von Bob Bishop im Piloten-Anzug geschickt und nach etwa 5 Wochen kam eine tolle Puppe (nur 500 gr schwer) im Maßstab 1:2 im blauen Overall. Super! Leider war kein Piloten-Jet-Helm in dieser Größe zu finden: Vater Scholl griff nun in das Geschehen ein: Von einem Original-Jet-Helm fertigte er tagelanger und schweißtreibender Schleifarbeit ein originalgetreues Duplikat des Helm von Bob Bishop. Danke! Thema Kabinenhaube! Haben Sie schon einmal versucht eine 68cm lange Kabinenhaube zu ziehen? Allein die Form hierfür wog 58kg!!! Thema Cockpit: Bob Bishop schickte mir ein Foto mit seinen Instrumenten: Diese hatte ich so oder so ähnlich schon einmal gesehen, aber nur wo? Dann fiel es mir wieder ein! Im Microsoft-Flugsimulator sind fast die gleichen zu finden: Also: Mit einem Capture-Programm wurden die benötigten Instrumente in PaintshopPro kopiert, dort nachbearbeitet und im erforderlichen Maßstab ausgedruckt! Hinter einer ausgefrästen Alu-Platte machen die Teile einen hervorragenden Eindruck. Thema Finish! Ursprünglich war der Gedanke da, eine möglichst einfache Maschine zu bauen. Als es aber um das ausmessen des Dekors ging , wurde mir schwindelig und sah nur noch Sterne. Unser befreundeter Werbegrafiker machte noch ein paar Überstunden, die letzten Aufkleber wurden erst kurz vor der Baubewertung in Österreich aufgebracht! Sonstige Einbauten: Es wurden insgesamt 2,5 Liter Sprit mitgeführt. Zwei 5-Zellen- Empänger-Akkus (1700mAh). Auf den Landeklappen und den Querruder kommen MULTIPLEX-Profi-MC-Servos zum Einsatz, das Bugrad benötigte etwas kräftigeres: Ein POWER Servo musste es sein. Das Seitenruder wird von MULTIPLEX –Profi-BB angetrieben. Als Empfänger verrichtet der MULTIPLEX Rx12DS seine hervorragenden Dienste. Außerdem kommen zwei WINGOs zum Einsatz: 1x Querruder, 1x Seitenruder/Bugrad. Hier hat die Erfahrung gezeigt, dass es bei diesen großen Modellen ( wie auch bei meiner T33) ausreicht, die Empfindlichkeit des Kreisels auf ein V-Kabel zu legen und über einen Schieberregler zu justieren. Außerdem wurde Bugfahrwerk pneumatisch eingezogen. Als Ventil kommt hier das neue elektronische Ventil von Horst Lenerz zum Einsatz. Die Landeklappen werden über einen 3-Stufen-Schalter (mit Slow- Funktion geschaltet (Neutral – Start – Landung). Juli 1999: Flugplatz Eschbach Vor mir steht die noch unlackierte Maschine, aufgetankt, alle Akkus geladen, Reichweitentest mit laufender Turbine durchgeführt und wartet darauf zu fliegen. Die Turbine läuft an, ich rolle die Maschine zum Startplatz – Sie läuft prima in der Spur. Langsam gebe ich Gas und sie beschleunigt. Nach einiger Zeit habe ich den Eindruck, dass sie nicht mehr beschleunigt und ziehe sachte am Höhenruder- Sie fliegt!!! Langsam gehe ich auf Sicherheitshöhe und gewöhne mich an die Art, wie sie auf die Ruder reagiert, sehr weich aber doch exakt! Ich bin aber dennoch etwas enttäuscht: Sie fliegt wie ein Motorsegler, wie soll ich damit Kunstflug machen? Vorsichtig fliege ich ein Rolle, sie geht wie an der Schnur. Für einen Aufschwung muß ich etwas anstechen, dann geht es aufwärts. Na Ja. Meine 2,40m Extra- mit einem ZG62 fliegt genauso!! Dann wird es Zeit zum Landen. Im Queranflug geht die Turbine aus (da waren auch nur 1,5 Liter Sprit drin!!!!). Interessant ist, was jetzt passiert: Das Osterei fliegt wie ein Segler weiter!! Wenn ich nicht gehört hätte, dass die Turbine aus ist, ich hätte es nicht gemerkt. Der Endanflug gelingt wunderbar, aufsetzen auf dem Hauptfahrwerk. Perfekt!!! Was fehlt, ist Leistung. Spaßeshalber schauen wir uns die Parameter der Turbine an, und bekommen einen Schreck: Als maximale Umdrehungszahl waren 112.000 U/min eingestellt, dies bedeutet einen Schub von ca. 6,2kp!!! Zum Vergleich: Unlackiert hatte die Maschine ein Abluggewicht von knapp 15,5kg. Muß ich noch mehr sagen? Die nächsten Flüge erfolgten mit 8,5kp Schub und die WM-Flüge mit 9,1kp Schub. Die Maschine flog wie ausgewechselt! Richtig Jet-Like. Josef Malliga, (Sie erinnern sich: er fliegt eine Original-Propeller-BD5), verfolgte meine Flüge auf der Jet-WM sehr aufmerksam und gratulierte mir für den Realismus im Flug und Andy Schleicher für die hervorragende Nachildung der BD5. Dieses Lob ließ uns den 5. Platz auf der Jet-WM schon fast als nebensächlich erscheinen. Nachtrag: Die BD5J hat sich so großer Beliebtheit erfreut, dass Peter Liebetrau, (Jet-Team- Liebetrau) sich entschlossen hat, einen Bausatz dieser ungewöhnlichen Maschine auf den Markt zu bringen.